Internes Konzeptpapier · Handwerk & Produktion · EGK Krefeld

Individuelles 1:1
Betreuungsmodell
für Auszubildende

Jeder Auszubildende bekommt eine feste Betreuungsperson und einen Ausbildungspartner – für die gesamte Ausbildungszeit. Ein Konzept für nachhaltige Ausbildungsqualität und starke Betriebsbindung.

EGK Entsorgungsgesellschaft KrefeldGmbH & Co. KG
Handwerk & ProduktionBranche
Stand 2025Version 1.0
VertraulichIntern
01

Zielsetzung & PhilosophieWarum brauchen wir dieses Konzept?

Auszubildende sind die Fachkräfte von morgen. Damit sie sich fachlich und persönlich optimal entwickeln, brauchen sie mehr als einen Ausbildungsrahmenplan – sie brauchen echte, stabile Begleitung. Dieses Konzept beschreibt ein strukturiertes Betreuungsmodell, bei dem jeder Auszubildende seinen eigenen Ausbilder und einen festen Ausbildungspartner erhält.

⚠ Ohne klares Konzept – die Probleme

  • Azubis fühlen sich verloren, kein fester Ansprechpartner
  • Wechselnde Zuständigkeiten führen zu Frustration und Lernlücken
  • Keine individuelle Förderung – alle werden gleich behandelt
  • Hohe Abbruchquoten und mangelnde Betriebsbindung
  • Fachkräfte verlassen nach der Ausbildung das Unternehmen

✔ Mit 1:1 Modell – die Lösung

  • Ein Ausbilder – ausschließlich für einen Azubi zuständig
  • Ein Ausbildungspartner für die gesamte Ausbildungszeit
  • Individueller Lehrplan, angepasst an Stärken und Lerntyp
  • Klare Zuständigkeiten und definierte Eskalationswege
  • Gezielte Schulungen für alle Ausbildungspartner
1:1
Exklusive Betreuung
pro Auszubildende/n
100%
Individuelle Lehrpläne
kein Azubi wie der andere
Klar
Zuständigkeiten
jeder weiß was er darf
Stetig
AP-Qualifizierung
6 Pflichtschulungen

Kernprinzipien des Konzepts

PrinzipBedeutungMaßnahme im Konzept
IndividualitätJeder Azubi lernt anders und braucht eigene FörderungIndividueller Lehrplan, persönlicher Ausbildungspartner
KontinuitätStabile Beziehungen fördern Vertrauen und LeistungAusbildungspartner bleibt für die gesamte Ausbildungszeit
VerantwortungKlare Zuständigkeiten verhindern Fehler und LückenOrganigramm mit exakten Rollen und Befugnissen
WachstumAuch Ausbildungspartner sollen sich weiterentwickelnVerpflichtendes 6-Modul-Schulungsprogramm
02

Hierarchie & OrganigrammDer Ausbildungsauftrag wird von oben nach unten delegiert

Jede Ebene trägt eine klar definierte Verantwortung und gibt den Auftrag strukturiert weiter. Fahren Sie mit der Maus über einen Knoten für Details.

▲ Klick auf einen Knoten → springt zur Rollenbeschreibung  |  Gilt für 1–5 Auszubildende gleichermaßen

Wichtig: Jede Ausbilder–Ausbildungspartner–Azubi-Einheit ist eine eigenständige Betreuungseinheit. Die Stv. Bereichsleitung koordiniert alle Einheiten und sorgt für einheitliche Standards.
03

RollenbeschreibungenWer macht was, darf was und muss was – im Detail

Jede Person im System hat eine klar definierte Rolle mit Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Befugnissen. Überschneidungen sind bewusst gering gehalten.

Geschäftsführung

Ebene 1 – Strategisch

Verantwortung

  • Gesamtverantwortung für das Ausbildungskonzept
  • Genehmigung von Ressourcen (Zeit, Budget, Personal)
  • Festlegung der Ausbildungspolitik des Unternehmens

Aufgaben

  • Konzept offiziell verabschieden und kommunizieren
  • Quartalsberichte von der Bereichsleitung entgegennehmen
  • Eskalationen auf höchster Ebene entscheiden
  • Ausbildungspartner und Ausbilder öffentlich wertschätzen
BefugnisseKann Konzept jederzeit anpassen oder aussetzen. Entscheidet über Personalzuordnung auf Ausbilderebene.

→ Delegiert Auftrag an: Bereichsleitung

Bereichsleitung

Ebene 2 – Taktisch

Verantwortung

  • Umsetzung des Konzepts im eigenen Bereich
  • Sicherstellung der Ausbildungsqualität
  • Berichterstattung an die Geschäftsführung

Aufgaben

  • Auftrag von GF empfangen und in operative Schritte übersetzen
  • Ausbilder offiziell beauftragen und benennen
  • Monatliche Statusberichte erstellen
  • Ressourcenplanung (Arbeitszeit für Ausbilder) sicherstellen
  • Bei Konflikten zwischen Ausbilder und Azubi eingreifen
BefugnisseKann Ausbilder neu zuweisen oder austauschen. Genehmigt Schulungsmaßnahmen für Ausbildungspartner.

→ Delegiert Auftrag an: Stv. Bereichsleitung

Stv. Bereichsleitung

Ebene 3 – Operativ-strategisch

Verantwortung

  • Operatives Management aller Ausbildungseinheiten
  • Koordination und Qualitätssicherung der Ausbilder
  • Sicherstellung einheitlicher Standards

Aufgaben

  • Ausbilder regelmäßig briefen und begleiten
  • Schulungsplan für Ausbildungspartner erstellen
  • Zweiwöchentliche Runden mit allen Ausbildern
  • Dokumentation der Ausbildungsfortschritte prüfen
  • Vertretung der Bereichsleitung bei Abwesenheit
BefugnisseKann AP kurzfristig tauschen (mit Rücksprache BL). Genehmigt individuelle Lehrplanänderungen.

→ Delegiert Auftrag an: Ausbilder/innen

Ausbilder/in

Ebene 4 – Operativ (1 pro Azubi)
Kernprinzip: Ausschließlich für einen einzigen Auszubildenden verantwortlich. Keine Teilung.

Aufgaben

  • Mindestens einmal pro Woche persönliches Gespräch mit dem Azubi
  • Individuellen Lehrplan erstellen und vierteljährlich überarbeiten
  • Ausbildungspartner anleiten und begleiten
  • Leistungsbewertungen dokumentieren
  • Auf Berufsschule abstimmen (Lernstoffabgleich)
  • An zweiwöchentlichen Ausbildertreffen teilnehmen
BefugnisseDarf Aufgabenstellungen anpassen, Ausbildungspartner einteilen, Fehlzeiten und Auffälligkeiten melden.
Darf NICHTEigenständig Lehrplan grundlegend ändern (nur mit Stv. BL). Disziplinarmaßnahmen allein einleiten.

→ Delegiert Alltagsauftrag an: Ausbildungspartner/in

Ausbildungspartner/in

Ebene 5 – Gesamte Ausbildungszeit
Kernprinzip: Wichtigste Vertrauensperson im Betriebsalltag. Begleitet den Azubi für die gesamte Ausbildungszeit.

Aufgaben

  • Täglicher Ansprechpartner für den Azubi (auf Augenhöhe)
  • Bei praktischen Aufgaben begleiten und erklären
  • Wöchentlichen Kurzbericht an den Ausbilder geben
  • An allen vorgeschriebenen Schulungen teilnehmen (Pflicht)
  • Positive Betriebskultur vorleben und vermitteln
  • Eigene Ausbildungserfahrungen einbringen
BefugnisseDarf Aufgaben erläutern, Lob und konstruktive Kritik geben, bei ernstem Problem den Ausbilder jederzeit kontaktieren.
Darf NICHTDisziplinarmaßnahmen aussprechen. Lehrplan ohne Ausbilder ändern. Offizielle Beurteilungen ausstellen.

Auszubildende/r

Ebene 6 – Aktiver Lernender

Was der Azubi bekommt

  • Einen Ausbilder, der nur für ihn/sie zuständig ist
  • Einen Ausbildungspartner für die gesamte Ausbildungszeit
  • Individuellen Lehrplan, abgestimmt auf Stärken und Lerntyp
  • Klare Ansprechpersonen in jeder Situation

Was der Azubi leisten muss

  • Aktive Mitarbeit an der eigenen Ausbildung
  • Regelmäßige Feedback-Gespräche wahrnehmen
  • Ausbildungsnachweise und Berichtshefte führen
  • Berufsschule regelmäßig besuchen
  • Probleme früh ansprechen, statt zu verbergen

Rechte des Azubis

  • Recht auf individuelle Förderung nach eigenem Bedarf
  • Recht auf Einblick in eigene Bewertungen
  • Recht auf Eskalation bei Problemen mit dem AP
04

Das 1:1 Modell in der PraxisZuweisung, Gespräche, Dokumentation

Zuweisung bei Ausbildungsstart

1

Ausbilder wird benannt

Die Stv. Bereichsleitung benennt innerhalb von 5 Werktagen den zuständigen Ausbilder.

2

Ausbildungspartner ausgewählt

Ausbilder wählt gemeinsam mit Stv. BL einen geeigneten AP aus. Kriterien: Erfahrung, Sozialkompetenz, Interesse.

3

Kennenlerngespräch

Ausbilder, AP und Azubi: Stärken, Interessen, erste Eindrücke – dokumentiert.

4

Individueller Lehrplan erstellt

Innerhalb von 4 Wochen erstellt der Ausbilder gemeinsam mit dem Azubi den ILP.

5

Betreuung startet offiziell

1:1 Modell ist aktiv. AP wird vorgestellt. Regelmäßige Check-ins beginnen.

Gespräche & Berichtsrhythmus

GesprächRhythmusWer
Täglicher Austausch
Kurze Rückmeldung, Fragen des Tages
TäglichAusbildungspartner + Azubi
Wochengespräch
Was lief gut? Was war schwierig?
WöchentlichAusbilder + Azubi
Ausbilderstatus
Gesamtstatus aller Azubis
2-wöchentlichAlle Ausbilder + Stv. BL
Lehrplan-Review (ILP)
Fortschritt, Anpassungen, neue Ziele
VierteljährlichAusbilder + Azubi + Stv. BL
Bereichsreport
Überblick an Bereichsleitung
MonatlichStv. BL → BL
GF-Update
Gesamtstatus Ausbildung
QuartalsweiseBL → Geschäftsführung
Dokumentationspflicht: Alle Wochengespräche und Lehrplan-Reviews werden in einem 1-seitigen Gesprächsprotokoll dokumentiert und dem Ausbilder übergeben.
05

Individueller Lehrplan (ILP)Herzstück der 1:1 Betreuung – maßgeschneidert für jeden Azubi

Der ILP orientiert sich am gesetzlichen Ausbildungsrahmenplan, wird aber auf die persönlichen Stärken, Schwächen und Ziele des Auszubildenden zugeschnitten. Er ist kein statisches Dokument – er lebt.

Was der ILP enthält:
  • Ausbildungsstand und persönliche Ziele des Azubis
  • Monatliche Lerninhalte (fachlich und persönlich)
  • Stärken und individuelle Entwicklungsfelder
  • Vereinbarte Maßnahmen und Unterstützung
  • Abgestimmte Prüfungsvorbereitung
Wann der ILP überarbeitet wird:
  • Pflichtmäßig: vierteljährlich
  • Bei erheblichem Lernrückstand
  • Nach Berufsschulzeugnis
  • Auf Wunsch des Azubis
  • Vor Zwischen- und Abschlussprüfung

Beispielstruktur – Individueller Lehrplan

BereichLernzielMaßnahme / FörderungZeitraumStatus
FachkompetenzMaschine X eigenständig bedienenEinweisung durch AP, ÜbungseinheitenMonat 1–2Laufend
FachkompetenzSicherheitsvorschriften kennenUnterweisung + schriftlicher TestWoche 1Fertig
SozialkompetenzTeamarbeit stärkenRotationseinsätze in anderen TeamsQuartal 2Geplant
SelbstorganisationEigenständiges Arbeiten fördernWöchentliche Aufgaben mit eigenen PrioritätenAb Monat 3Geplant
PrüfungsvorbereitungZwischenprüfung bestehenIntensivwochen, Lerngruppe, Ausbilder-Coaching6 Mon. vor PrüfungNoch offen

* Beispiel. Jeder ILP wird individuell für den jeweiligen Auszubildenden erstellt und regelmäßig angepasst.

06

Schulungsprogramm für Ausbildungspartner6 Pflichtmodule – begleitend zur aktiven Betreuungsaufgabe

Warum Schulungen? Die Rolle des Ausbildungspartners ist anspruchsvoll: täglich mit einem jungen Menschen arbeiten, motivieren, Grenzen setzen, konstruktiv Fehler ansprechen und gleichzeitig Vertrauen aufbauen. Das ist eine erlernbare Fähigkeit – keine Selbstverständlichkeit.
01
Grundlagen der Ausbildungsbegleitung – Rolle & Selbstverständnis
  • Was macht eine gute Ausbildungsbegleitperson aus?
  • Unterschied zwischen Ausbilder und Ausbildungspartner
  • Eigene Stärken als Begleiter erkennen und einsetzen
  • Rollenkonflikte und Grenzen professionell managen
  • Erwartungen klären – was der Azubi braucht, was ich leisten kann
⏱ 4 Stunden · Einmalig zu Beginn der Betreuungsaufgabe
02
Kommunikation auf Augenhöhe – Gespräche führen mit Azubis
  • Aktives Zuhören: wie man wirklich versteht, was jemand meint
  • Altersgerechte und klare Sprache im Arbeitsalltag
  • Non-verbale Kommunikation erkennen und richtig deuten
  • Schwierige Gespräche strukturiert führen
  • Digitale Kommunikation mit Azubis und klare Grenzen nach Feierabend
⏱ 4 Stunden · Halbjährlich auffrischen
03
Feedback geben – positiv und konstruktiv
  • Was ist konstruktives Feedback – und was ist bloße Kritik?
  • Die Feedback-Formel: Beobachtung → Wirkung → Wunsch
  • Lob und Anerkennung im richtigen Moment einsetzen
  • Fehler als Lernchancen kommunizieren
  • Praktische Übungen: Feedback-Situationen aus dem Betrieb
⏱ 3 Stunden · Einmalig mit jährlicher Auffrischung
04
Grenzen setzen – Professionalität und Nähe im Gleichgewicht
  • Warum professionelle Distanz schützt – den Azubi und sich selbst
  • Vertrauensvolles Verhältnis aufbauen ohne Kumpelrolle einzunehmen
  • Typische Fallen: zu viel Nähe, zu wenig Nähe
  • Umgang mit persönlichen Informationen des Azubis
  • Wann muss ich den Ausbilder einschalten?
⏱ 3 Stunden · Einmalig zu Beginn der Betreuung
05
Motivation und Lerntypen – jeden Azubi individuell fördern
  • Die vier Lerntypen und wie man sie im Alltag erkennt
  • Intrinsische vs. extrinsische Motivation – was langfristig hilft
  • Demotivation erkennen: Warnsignale früh wahrnehmen
  • Kleine Erfolgserlebnisse gezielt einbauen
  • Umgang mit Azubis, die sich schwer tun (Berufsschule, Praxis)
⏱ 4 Stunden · Jährlich
06
Konflikt und Krise – was tun, wenn etwas schiefläuft?
  • Häufige Konfliktsituationen in der Ausbildung und ihre Ursachen
  • De-Eskalation im Alltag – ruhig bleiben, Lösungen finden
  • Wann Ausbilder oder Führungskraft einbeziehen?
  • Psychische Belastungen bei Azubis erkennen (ohne Diagnose zu stellen)
  • Eigene Belastungsgrenzen wahrnehmen und Entlastung suchen
⏱ 4 Stunden · Jährlich (mit Fallbeispielen aus dem Betrieb)
Anerkennung der Ausbildungspartner: Ausbildungspartner, die alle Pflichtmodule absolviert haben, erhalten eine interne Zertifizierung und eine jährliche Sonderwürdigung (im Teammeeting, auf der Weihnachtsfeier). Die Weiterentwicklung wird im Mitarbeitergespräch berücksichtigt.
07

Prozessablauf & RACI-MatrixWer macht was, wie und wo – die vollständige Delegationskette

Delegationskette

GF

Geschäftsführung beschließt das Konzept

Schriftliche Freigabe. Ressourcen genehmigt (Zeit für Ausbilder: mind. 2 Std./Woche). Interne Kommunikation an alle Beteiligten.

↓ schriftlich & mündlich
BL

Bereichsleitung übernimmt den Auftrag

Benennt die Stv. Bereichsleitung als operative Koordination. Legt Qualitätsstandards und Berichtsformat fest. Plant Kapazitäten.

↓ Auftrag + Richtlinien
Stv

Stv. Bereichsleitung koordiniert operativ

Erstellt Schulungsplan. Weist Ausbilder zu. Benennt Ausbildungspartner. Führt zweiwöchentliche Ausbilder-Runden durch.

↓ Beauftragung + Briefing
Ab

Ausbilder/in nimmt Aufgabe an

Erstellt ILP (innerhalb 4 Wochen). Führt Kennenlerngespräch. Beginnt wöchentliche Gespräche und Dokumentation.

↓ Alltagsauftrag
AP

Ausbildungspartner/in begleitet im Alltag

Tägliche Check-ins. Meldet Fortschritte. Nimmt an Schulungen teil. Brücke zwischen Azubi und Ausbilder.

↓ Vertrauensvolle Begleitung
Az

Auszubildende/r entwickelt sich

Lernt, wächst und hat immer feste Ansprechpersonen. Gibt aktiv Feedback. Übernimmt schrittweise mehr Eigenverantwortung.

Verantwortungsmatrix (RACI)

R Responsible (führt aus)   A Accountable (Verantwortung)   C Consulted (wird befragt)   I Informed (wird informiert)

AufgabeGFBLStv. BLAusbilderAusb.Partner
Konzept genehmigenACIII
Ausbilder benennenIAR
Ausbildungspartner benennenICAR
Individuellen Lehrplan erstellenIICA RC
Tägliche Begleitung des AzubisIAR
Wöchentliches Gespräch führenIA RC
Schulungen für Ausb.PartnerIARC
Leistungsbewertung / ZeugnisICCA RI
Eskalation schwerwiegender FälleARRCI
QuartalsberichterstattungIRCI
08

Qualitätssicherung & KPIsWie messen wir den Erfolg des Konzepts?

≤ 5%
Ausbildungsabbruchquote
jährlich · Bereichsleitung
≥ 80%
Azubi-Zufriedenheit positiv
halbjährlich · Stv. BL
≥ 90%
Prüfungsbestehensquote
pro Prüfung · Ausbilder
100%
AP-Schulungsquote
jährlich · Stv. BL
4×/J.
ILP-Reviews je Azubi
laufend · Ausbilder
≥ 70%
Übernahmequote
jährlich · BL

Eskalationsweg bei Problemen

1. Ausbildungspartner

Alltagsprobleme direkt im 1:1 lösen

2. Ausbilder

Wenn AP nicht weiterkommt

3. Stv. BL

Strukturelle Konflikte & Muster

4. BL / GF

Schwerwiegende Fälle & Recht

Jährliche Konzept-Überprüfung: Das Konzept wird einmal jährlich durch BL + Stv. BL + mindestens zwei Ausbilder evaluiert. Fragen: Was hat gut funktioniert? Was muss verbessert werden? Was zeigen die KPI-Zahlen? Was wünschen sich Azubis und Ausbildungspartner?
09

Vor- & Nachteile des KonzeptsEine ehrliche Betrachtung beider Seiten

Kein Konzept ist perfekt. Eine transparente Abwägung zeigt, wo das 1:1 Modell seine stärksten Vorteile ausspielt – und welche Herausforderungen die EGK aktiv managen muss, damit das Konzept langfristig erfolgreich bleibt.

✔ Vorteile
🎯

Maximale Individualität

Jeder Azubi wird genau dort abgeholt, wo er steht. Stärken werden gefördert, Schwächen gezielt angegangen – ohne den Lernstand anderer abwarten zu müssen.

🤝

Starkes Vertrauensverhältnis

Ein fester Ausbildungspartner für die gesamte Zeit schafft Stabilität und echtes Vertrauen. Azubis sprechen Probleme früher an, bevor sie eskalieren.

📉

Weniger Ausbildungsabbrüche

Studien zeigen: Der häufigste Abbruchgrund ist mangelnde Beziehung zum Betrieb. Ein fester Ansprechpartner wirkt dieser Ursache direkt entgegen.

⚙️

Klare Verantwortlichkeiten

Jeder weiß, was er tun darf, tun muss und was er nicht tun darf. Konflikte durch unklare Zuständigkeiten werden strukturell verhindert.

📈

Höhere Prüfungsquote

Individuelle Prüfungsvorbereitung im Lehrplan und gezielte Unterstützung durch Ausbilder und AP erhöhen die Bestehenswahrscheinlichkeit signifikant.

💼

Stärkere Betriebsbindung

Azubis, die sich wertgeschätzt fühlen und echte Unterstützung erhalten, bleiben nach der Ausbildung häufiger im Unternehmen. Das sichert Fachkräfte langfristig.

🌱

Mitarbeiterentwicklung durch Schulungen

Ausbildungspartner wachsen durch das Schulungsprogramm selbst: Kommunikation, Feedback, Konfliktlösung – Kompetenzen, die dem ganzen Team zugutekommen.

📋

Messbarkeit und Transparenz

KPIs, Lehrplan-Reviews und Protokolle machen Ausbildungserfolg sichtbar und steuerbar. Die Geschäftsführung hat jederzeit Überblick über den Stand aller Azubis.

⚠ Herausforderungen & Nachteile

Höherer Zeitaufwand

Ausbilder benötigen mindestens 2 Stunden pro Woche ausschließlich für die Betreuung ihres Azubis. Das muss in der Personalplanung explizit berücksichtigt und freigestellt werden.

👥

Ressourcenbindung bei kleinen Teams

Bei 1–5 Azubis braucht man ebenso viele Ausbilder und Ausbildungspartner. In kleinen Abteilungen kann das zur Überlastung führen, wenn Kapazitäten nicht klar freigegeben werden.

🔄

Abhängigkeit von einzelnen Personen

Wenn ein Ausbildungspartner krank wird, das Unternehmen verlässt oder die Rolle nicht ausfüllen kann, entsteht eine Lücke. Vertretungsregelungen müssen vorab festgelegt werden.

💬

Persönlichkeitskonflikte

Ausbilder und Azubi – oder AP und Azubi – können charakterlich nicht zueinander passen. Wechsel mitten in der Ausbildung sind möglich, aber aufwendig und immer ein Rückschritt im Vertrauensaufbau.

📚

Schulungsaufwand für Ausbildungspartner

6 Pflichtmodule bedeuten 18–22 Stunden Weiterbildungszeit pro AP. Das erfordert Planung, Freistellungen und ggf. externe Schulungskosten, die budgetiert werden müssen.

📄

Erhöhter Dokumentationsaufwand

Gesprächsprotokolle, ILP-Updates, Bewertungsbögen – der Verwaltungsaufwand ist spürbar höher als in unstrukturierten Ausbildungsmodellen. Ohne digitale Unterstützung kann das zur Last werden.

⚖️

Gefahr der Überbehütung

Wenn Ausbildungspartner zu viel abnehmen, entwickeln Azubis keine Selbstständigkeit. Die Schulungen (besonders Modul 4) adressieren dieses Risiko – es muss aber aktiv beobachtet werden.

🔧

Anlaufzeit & Kulturwandel

Das Konzept funktioniert nicht sofort. Es braucht mindestens einen kompletten Ausbildungszyklus, bis alle Beteiligten eingespielt sind. Widerstände aus der Belegschaft müssen durch gute Kommunikation abgebaut werden.

Fazit: Die Chancen überwiegen die Herausforderungen

Die Herausforderungen des 1:1 Modells sind real – aber sie sind managebar. Der Schlüssel liegt in klarer Kommunikation, ausreichend freigestellter Zeit für Ausbilder und konsequenter Umsetzung des Schulungsprogramms. Unternehmen, die dieses Modell ernsthaft umsetzen, berichten durchgängig von niedrigeren Abbruchquoten, höherer Mitarbeiterzufriedenheit und besserer Fachkräftebindung.

Empfehlung: Konzept in der bestehenden Form starten – zunächst für alle aktuellen Azubis gleichzeitig einführen, nach einem Jahr evaluieren und bei Bedarf nachjustieren.
Wichtigste Voraussetzung: Die Geschäftsführung muss die Zeit für Ausbilder und die Schulungskosten für Ausbildungspartner aktiv und verbindlich freigeben – sonst scheitert das Konzept strukturell.